Ubuntu 11.04 Natty Narwhal bekommt Unity als Desktop

Die Meldung hat vor einigen Tagen eingeschlagen wie eine Bombe. Nachdem ich selbst vor ein paar Tagen einen Artikel über Unity geschrieben habe hieß es plötzlich von Canonical, dass Unity in der nächsten Ubuntu Version namens Natty Narwhal der Standard Desktop werden soll.

Nachdem es für Unity selbst (wie ich meine zu Unrecht) schon viel Kritik gab (hässlich, lahm, keine Features) war mir klar, dass die Wogen nach dieser Meldung hoch schlagen. Eigentlich wollte ich mich dazu gar nicht äußern, aber ich tue es doch.

Ich beginne mal mit dem derzeitigen Stand von Unity für Netbooks. Unity ist noch nicht fertig. Im Gegenteil, es steht gerade mal am Anfang. Also sollte klar sein, dass noch nicht alle Funktionen vorhanden sind und das es auch Performance- und Stabilitäteprobleme geben kann. So ist zum Beispiel bekannt, dass Unity bisher auf Intel optimiert ist und es noch Probleme vor allem mit den Proprietären Treibern von AMD und Nvidia geben kann. Auch die Funktionalität ist noch lange nicht vollständig. Man kann sich also nur ein Urteil über den aktuellen Stand bilden. Für ein endgültiges Urteil, was aber viele schon gefällt haben, ist es zu früh.

Noch schlimmer ist es mit Unity für den Desktop. Es existiert noch nicht einmal und viele drohen schon mit dem Wechsel zu einer anderen Distribution. Ich frage mich, ob diejenigen Hellsehen können. Und wenn sie es tatsächlich können, wieso haben sie dann überhaupt Ubuntu verwendet und sind nicht gleich zu einer anderen Distribution?

Aber bleiben wir bei den Fakten. Was wissen wir über Unity für den Desktop? Zunächst einmal bleibt die Grundlage weiterhin das Gnome Projekt. Das heißt es kommt weiterhin GTK zum Einsatz und auch die üblichen Anwendungen. Soweit ändert sich also schonmal nichts. (Update) Unity ist in Vala geschrieben. Ebenfalls ein Gnome Projekt.

Die einzigen Komponenten, die ausgetauscht werden, sind die Gnome Shell und der Fenstermanager Mutter. An deren Stelle treten Unity und Compiz. Letzteres freut vor allem die Compiz Entwickler, denn nachdem bereits KDE4 einen eigenen Compositor mit eigenen Effekten mitbringt wäre mit Gnome 3 der letzte große Deskop für Compiz verloren gegangen. Zusammengefasst heißt das: die Gnome Shell verliert mit Ubuntu die größte Gnome Distribution, Compiz aber bekommt eine neue Chance. Ohne Unity wäre Compiz wohl komplett eingeschlafen.

Was bedeutet das für die Nutzer? Keine Ahnung. Ich weiß nicht, wie Unity für den Desktop aussehen wird. Aber egal, ob Gnome 3 oder Unity, in beiden Fällen müssten sich User mit alter Hardware nach Alternativen umschauen, da beide einen 3d Dekstop voraussetzen.

Warum macht Canonical sowas? Nun, da kann ich nur spekulieren. Ich denke, die Entscheidung für Unity für Netbooks wurde getroffen, weil bisherige Lösungen wie UNR nur ein notdürftiges Flickwerk sind, um mit aktuellen Techniken die Software auf die bisherigen Netbooks zu bringen. In den nächsten Jahren wird sich der Markt aber weiterentwickeln und ich sehe Lösungen wie UNR hier nicht als Optimal an. Der Trend wird auch für Ubuntu in Richtung Touchscreen gehen, eventuell sogar Richtung Tablet. Das Canonical davon ausgeht sieht man an der Entwicklung von utouch.

Also braucht man einen Desktop, der damit umgehen kann. Hier wird Canonical entschieden haben, mangels Alternativen etwas eigenes zu entwickeln. Heraus kam dabei Unity.

Nun steht aber auch bei Gnome ein großer Wechsel bevor, der sich aber schon eine Weile hin zieht und auch noch nicht abzusehen ist, wann er abgeschlossen ist. Canonical hat ist hier möglicherweise in einer Zwickmühle. Sie wissen nicht, ob Gnome 3 bis zur nächsten LTS fertig und ausreichend stabil ist. Man könnte jetzt sagen, dann soll man weiterhin bei den Gnome 2 Komponenten bleiben. Aber hier ist nicht klar, ob die Komponenten von Gnome 2 bis zum Ende des Support Zeitraums der nächsten LTS überhaupt noch supported werden. Und man hätte bis 2015 einen altbackenen Desktop an der Backe, der weder mit KDE4, OS X oder Win7 mithalten kann und auf den Geräten der Zukunft vielleicht einfach nicht zu gebrauchen ist.

Ob die Entwicklung eines eigenen Desktops der richtige Weg ist, muss sich erst noch zeigen. Aus meiner Sicht hat Canonical bisher ein gutes Händchen bewiesen, wenn es um die Weiterentwicklung von Linux geht. Änderungen wie das neue Design sind Geschmackssache und es wird immer Kritiker geben. Ergänzungen wie Ubuntu One, der Music Store oder der Software Center sind jedoch ein richtiger Schritt in die Zukunft, denn die Generation iPhone will solche Dinge.

Ich kann verstehen, dass alt eingesessene Linux User überhaupt nichts von dieser Entwicklung halten, aber hier gilt die alte Linux Philosophie: Man hat die Wahl. Zum einen zwingt Canonical niemanden, das neue Design, den Desktop, Ubuntu One usw zu verwenden (im Gegensatz zu anderen Herstellern). Und wenn die Ablehnung so weit geht bleibt jedem die Freie Wahl aus dutzenden weiteren Distributionen.

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2 Responses to “Ubuntu 11.04 Natty Narwhal bekommt Unity als Desktop”

  1. John B Says:

    Guter Artikel. Spiegelt genau meine Meinung zum Thema wider. Brauch jetzt selbst keinen zu schreiben weil hier bereits alles gesagt wurde. :wink:

  2. Banshee neuer Standard Player in Ubuntu 11.04 Natty Narwahl? | burli's Blog Says:

    [...] dem Aufschrei der Community, dass Unity in Ubuntu 11.04 der Standard Desktop werden soll kommt der nächste Kracher. Laut OMG! Ubuntu! wird Banshee der [...]


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