Speicherfresser Firefox. Ein Mythos
Die Kommentare in meinem letzten Blog Beitrag haben mich dazu veranlasst, einen kleinen Vergleich zum Speicherverbrauch von Firefox 4 und Chromium 12 zu machen (jeweils aktuelle Version aus den Ubuntu Natty Repositories).
Firefox: 9 offene Tabs, schon seit Stunden ununterbrochen in Einsatz, inkl Flash und anderem: 334MiB
Chromium: Frisch installiert, nur 4 offene Tabs: ca 350MiB
Der Speicherverbrauch von Chromium steigt mit jedem neuen Tab erheblich an. Ich habe auch schon früher mal einen Extremtest auf einem alten Laptop mit Pentium 3 und 256MB RAM gemacht. System war Debian mit Lxde. Firefox ließ sich mit 5 Tabs noch brauchbar nutzen. Bei Chromium war ab 2 offenen Tabs Schluss. Der Rechner war nur noch mit Swappen beschäftigt.
Ich habe den Test auf verschiedene Arten gemacht. Unter anderem vor jedem Test einen kompletten Neustart des Systems und Anzeige des Speicherverbrauchs mit unterschiedlichen Tools (zB htop). Das Ergebnis ist immer das selbe.
Von daher ist der Speicherfresser Firefox aus meiner Sicht ein Mythos. Ich konnte zumindest die Behauptungen, Chromium sei genügsamer als Firefox, noch nie bestätigen.
EDIT
Um die Frage aus den Comments nach den Addons zu beantworten hier eine kleine Ergänzung

Außerdem hab ich bei Chromium die Sync Funktion aktiviert, wofür ich bei Firefox Xmarks verwende
Tags: Chromium, Firefox, Google Chrome


Juni 14th, 2011 at 12:30 pm
Interessant wäre hier zu wissen, in wie weit Chromes Alles-in-einem-eigenen-Prozess-Modell hier einwirkt. Das wird vielleicht für den Overhead/Tab verantwortlich sein. Und das ist ja auch ein wesentliches Feature, wo Firefox (soweit ich weiß) ja auch irgendwann mal hinkommen will.
Aber mit dem Mythos hast wohl recht – es ist einer.
Juni 14th, 2011 at 12:35 pm
Ich kann dies absolut bestätigen. Mein FF ist in der Standardvariante auch genügsamer als Chromium. Der Grund warum mein FF trotzdem mehr Speicher frisst sind die vielen Plugins welche ich installiert habe. Hast du bei deinem Test in beiden Browsern die gleichen Plugins aktiviert (adblock usw.)?
Juni 14th, 2011 at 12:42 pm
Hab den Artikel mal mit den Addons ergänzt. Bei beiden also nur die üblichen notwendigen Addons.
Juni 14th, 2011 at 12:50 pm
Dennoch ist meine persönliche Erfahrung dass Chromium/Chrome einfach schneller ist.
Ich nutze selbst Lubuntu auf einem Nettop, und Firefox bremst den PC einfach nur zu sehr aus.
Der oft zitierte Speicherfresser, wird denke ich, mit alten Speicherlecks von Firefox und vor allem den Erweiterungen zusammen hängen.
Juni 14th, 2011 at 2:04 pm
Die Geschwindigkeit des Chromiums ist eher auf die WebKit Rendering Engine und dessen Optimierung mit V8 zurückzuführen.
Juni 14th, 2011 at 2:31 pm
Nur weil Chromium viel Arbeitsspeicher braucht, muss es doch nicht automatisch langsam sein.
Nach dem die meisten Rechner heutzutage eh 2GB und mehr Arbeitsspeicher haben finde ich es auch nicht schlimm wenn sich ein Browser 500MB genehmigt. Schuld sind letztlich die Webseiten, die mit Flash-Elementen usw. nur so überladen sind.
Juni 14th, 2011 at 3:02 pm
Speicherhungrig ist Firefox wenn man ihn ein paar Tage oder Wochen laufen lässt ohne ihn zu schließen. Dann merkt man das trotz nur noch einem Tab viel Speicher nicht freigegeben wird. Durch das Prozessmodell hat es Chromium da leichter.
Juni 14th, 2011 at 4:07 pm
ich kann mich corppneq nur anschliessen. Ich bin Webentwickler und habe zum testen ständig firefox und chrome offen. Wenn ich nach mehreren Tagen Nutzung meine voll ausgelastetee 4 GB arbeitsspeicher wiederhaben möchte reicht es bei chrome tabs zu schliessen, bei dem speicherverbrauch vom firefox ändert sich durch schliessen der tabs wenig. Erst wenn ich firefox komplett schliesse ist der vom firefox über die Nutzungstage eingenommene Speicher wieder frei.
Juni 14th, 2011 at 5:58 pm
Beide haben ihren Vorteil und auch ihren Nachteil – für mich. Unter dem Strich allerdings kann ich die Erfahrungen von Burli bestätigen, insbesondere auch die von Corppneg bzw. Scorp.
Allerdings meine ich, dass es in der 3er-Version des FF noch anders war. Den nämlich habe ich schon als sehr träge in Erinnerung.
Juni 14th, 2011 at 10:00 pm
Bei mir hatte sich gezeigt, dass Firefox, wenn er einen großen Verlauf hat, mal so locker 900 MB Speicher fressen kann. Da war auch nur 1 Tab offen. Nach einem leeren des Verlaufs und aller gesammelten Daten ging es dann auch wieder.
Juni 14th, 2011 at 10:46 pm
hm, ich sehe zwischen firefox und chrome keinen wirklichen unterschied. verglichen mit opera sind beide ab einer gewissen tab-anzahl unbenutzbar, auch bei 4gb ram. zum normalen surfen taugen beide gut genug.
schade, dass opera nicht open source ist…
Juni 14th, 2011 at 11:39 pm
Besonders haarig wird es wenn eines der Addons ein Speicherleck hat und sich der FF nach einigen Stunden mehr als 3GB Speicher einverleibt…
Juni 15th, 2011 at 1:33 am
Alles ganz nett, aber wer einen wiklich flotten Browser benutzen will:
Midori ( http://www.twotoasts.de/ )
Verbraucht kaum Resourcen und der Seitenaufbau ist um Längen schneller als bei Firefox und Chrome. Kein Vergleich. Lediglich die Bookmarkverwaltung ist nicht ausgereift, aber wer Geschwindigkeit und Speicherschonung will, kommt an Midori nicht vorbei.
Just my 2ct
Juni 15th, 2011 at 8:21 am
Leider hat Midori, wie alle Webkit Browser, bei manchen Seiten massive Darstellungsprobleme. Nur Chrome scheint ein paar Modifikationen zu haben. Aber Midori, Epiphany, rekonq usw haben alle das gleiche Problem
Juni 15th, 2011 at 3:39 pm
Speicherschonung ist sehr wichtig, Geschwindigkeit ein absolutes Muss. Da gibt es zunächst nichts zu diskutieren. Aber wie Burli eben schon schrieb, Midori hat schon massive Probleme in der Darstellung – ich hatte ihn erst kürzlich im Test.
Schnell ist schon schön, aber nicht zu Lasten der Darstellung
Juni 15th, 2011 at 10:30 pm
Also ich kann sowohl bei Firefox 3.6 also auch bei 4.0 keinen Unterschied zwischen 6 und 60 offenen Tabs feststellen. Einzig und alleine manche Flash-Elemente verursachen teilweise größere CPU-Last (könnte am x86_64 liegen), was natürlich ungut ist. Das lässt sich aber meist auf einzelne Webseiten eingrenzen – wenn man diese dann schließt ist das Problem behoben.
In meinem Thinkpad steckt allerdings auch ein Core i5 2,54GHz und 4GB RAM.
Juni 15th, 2011 at 10:53 pm
Nun, das mag sein, ich habe bisher noch keine Seite mit groben Darstellungsproblemen gehabt. Die Mindestschriftgröße ist per Default etwas klein gewählt, aber das lässt sich ändern. Ansonsten hätte ich gerne mal ein Beispiel gesehen.
Denn bisher hab ich in der Hinsicht wohl Glück gehabt.
Juni 19th, 2011 at 9:33 am
Das liegt nicht an Webkit, sondern am User-Agent. Die von dir genannten Browser werden selbst auf Linux-Systemen selten eingesetzt; die Webseiten kennen diese nicht und liefern teilweise eine eingeschränkte Variante für “Nischen-Browser” aus (z.B Google Mail). Ändert man den User-Agent auf Safari, so werden viele der Darstellungsprobleme behoben.
Ob Midori wirklich schneller rendert, wage ich zu bezweifeln. Bei reinem HTML mag das sein, sobald aber viel JavaScript hinzukommt fällt Midori hinter Chromium zurück.
Auch ich kann bestätigen, dass Chromium mehr Speicher belegt, jedoch ist er trotzdem schnell und geschmeidig. Die meisten Rechner haben doch sowieso viel Speicher, da macht es auch nichts, wenn das Programm diesen ausnutzt. Wichtig ist es nur, dass das Programm auch dann noch benutzbar ist, wenn nebenbei viele andere ressourcenhungrige Programme laufen, darauf müsste man mehr den Fokus legen.
Juli 7th, 2011 at 7:42 am
Speicherverbrauch von Firefox deutlich reduziert!
Gregor Wagner, Doktorand an der Universität Kalifornien in Irvine (UCI) und nebenbei Firefox-Entwickler, hat mit zwei Patches den Speicherverbrauch von Firefox erheblich reduziert. Die Änderungen könnten mit Firefox 7 ausgeliefert werden.
Hier die Infos: http://bit.ly/o1Vn1X
September 28th, 2011 at 8:57 pm
Kann ich nur bestätigen, nutze firefox.nightly.build und meine Frau Chromium. Letzterer braucht das 4fache!!!!, an RAM bei der Hälfte der Tabs. Irgendeine Möglichkeit dies zu ändern ?!
November 13th, 2011 at 12:09 pm
Meist ist der gleichzeitige Einsatz von Tuneup Utilities der Übeltäter für das ubbötig hohe Speicheraufkommen. Da kann Firefox an sich nix für und auch nicht seine Anwendungen. Geht dann einfach in die Dienste und deaktiviert “Tuneup Program Service Statistic” oder so ähnlich. Dann sollte das Problem gelöst sein. Egal ob in WinXP, Vista oder 7.
November 14th, 2011 at 10:07 am
Ich hab aber weder Tuneup noch Windows