Wann immer man nämlich diese Vielfalt wegnimmt, wird Linux durchaus endanwendertauglich
Ich lese gerade den Artikel von Heise zum Anstieg der Nutzerzahlen von Linux in den letzten Monaten. Dabei ist mir ein Satz in’s Auge gesprungen, der die aktuelle Diskussion um Unity und die Strategie von Canonical wie die Faust auf’s Auge zu treffen scheint.
Wann immer man nämlich diese Vielfalt wegnimmt, wird Linux durchaus endanwendertauglich
Ich denke auch, dass genau das der Grund für Canonicals Strategie ist. Ob der Plan aufgeht oder ob sich vielleicht nur Ubuntu TV und Ubuntu Tablet etabilieren können, der Desktop aber weiterhin eine Niesche bleiben werden, muss die Zeit zeigen.
Ich glaube jedoch, dass der Linux Desktop weiterhin an den zwei Hauptgründen scheitern wird: zum einen, weil es im Mediamarkt & co nur Windows Rechner zu kaufen gibt und weil die Microsoft Formate immer noch zu stark dominieren. Erschwerend kommt noch der schrumpfende PC Markt hinzu.
Januar 12th, 2012 at 9:47 pm
Das Heise-Zitat deckt sich zu einem großen Teil mit meinen Beobachtungen. Allerdings könnte ein Weg sein, den Desktop hoch konfigurierbar zu erhalten, dass man vor die Veränderbarkeit Hürden setzt, die zu überwinden Otto Normaluser in der Regel keine Lust hat.
Und in der Debatte sollte eines nicht vergessen werden. Menschen haben auch bei Gebrauchsgegenständen ästhetische Bedürfnisse – an dem Punkt ist Apple vorbildlich. Angenehme Farben, optisch flüssige Abläufe etc.
Schließlich braucht es auch eine politische Anstrengung, die Microsofts Monopol reduziert. Leider sind auch die politisch linken Kräfte, was die Ausstattung mit Rechnern angeht, fest in der Hand der Monopolisten. Was spricht gegen ein Gesetz, dass den Anbieter von Rechnern zwingt, sie mit verschiedenen Betriebssystemen anzubieten und den Preis des Betriebssystems auszuweisen? Das würde mehr Transparenz herstellen.
Januar 12th, 2012 at 9:53 pm
Konfigurierbarkeit hat noch zwei große Nachteile: es macht Software fehleranfälliger und es macht mehr Aufwand bei der Programmierung.
Ich unterstelle Canonical jetzt aber weder Faulheit noch Unfähigkeit. Ich denke, dass die eingeschrängte Konfigurierbarkeit Absicht ist.
Dass sich die Kartellbehörden die Vorgehensweise von Microsoft mal näher anschauen müssten steht auf einem anderen Blatt.
Januar 12th, 2012 at 9:56 pm
Unter Ubuntu ist es keineswegs so, dass die Vielfalt weggenommen ist, sie ist nur versteckt. Es wurden Vorentscheidungen für den Nutzer getroffen, damit er mit der Vielfalt nicht konfrontiert und überfordert wird. Aber trotzdem kann man mit Ubuntu eigentlich noch (fast) alles machen, was man mit jeder anderen Distribution auch machen kann, die vordergründig noch die ach so schlechte Linux-Vielfalt aufweist.
Januar 12th, 2012 at 9:57 pm
Anstieg der Nutzerzahlen geht ja dann reihum von heise bis … habe ebenfalls alles gelesen. Die Vielfalt und Freiheit macht es. Genauso das Experimentieren und Probieren mit Neuem. Dem habe ich mich nie verschlossen. Gehöre wahrscheinlich auch zu denen, die Unity nicht schlecht finden und die Tastenkombinationen lieben. Die Strategie von Canonical kann ich ebenfalls sehr gut nachvollziehen. Anderswo habe ich mich bereits ausführlich zu Problemen mit der Anwendung von Open Source ausgelassen. Deshalb kann ich den beiden angeführten Gründen nur zustimmen. Hinzu kommt noch die Angst vor dem Neuen und Unbekannten bei den meisten Nutzern. “Linux, was ist das?” Das höre ich immer wieder. Eine Alternative wäre wohl wirklich ein für Linux konfiguriertes Note- oder Netbook. Da gibt es ja leider regelmäßig Verständnisprobleme. Irgendwelche Tasten oder Lüfter oder Grafikkarte funktionieren meistens nicht. Und nicht jeder will “basteln” oder sich in einem Forum anmelden. Na ja und Marco Rockigers Preise sind auch nicht ganz ohne. (send from EeePC 701 4 G)
Januar 13th, 2012 at 8:48 am
…ich bin schon immer der meinung, dass der größte vorteil von linux (die vielfalt) zugleich sein größter nachteil ist. linux wird so immer ein nischenprodukt bleiben. wäre das anders würde auch media markt reagieren. aber egal…im grunde beginnt für mich z.b. android in die nische zwischen microsoft, apple und dem linux-urwald zu springen. android wird sozusagen das conusmer-linux und es entsprechenden distributionen noch mehr marktanteil wegschnappen. ich persönlich werde dieses jahr mein linux-laptob einmotten bzw. bei ebay verkaufen und dafür auf ein android-tablett umsteigen. für enduser ist soetwas (das tablet an sich und sowieso das betriebssystem) es das viel bessere konzept als jedes windows und linux-geraffel auf notebook xy. übrigens habe und brauch ich weiterhin einen pc für die hardcore-sachen.
Januar 13th, 2012 at 9:48 am
Linux ist auf dem Desktop keineswegs gescheitert.
Ich benutze es zur vollsten Zufriedenheit.
Und hoffe, dass die Nutzerzahlen nicht zu sehr ansteigen, habe keinen Bock auf Viren.
MfG
Januar 13th, 2012 at 11:09 am
Ich hät gern einen Linux-Marktanteil von ca 10%.
Das wär genug um für alle Hardware & Software-Hersteller relevant zu sein, denke ich.
Denn die einzigen User die ich bei Linux sehen will sind die die mir was zurück geben, d.H. technisch interessierte die sich beteiligen (Programmieren, Testen, Dokumentieren, oder nur in einem Forum fragen beantworten).
Von den anderen haben wir als Community gar nichts.
Deshalb versuch ich auch nur Technik-Interessierte/bewanderte Leute für Linux zu begeistern (bin aber kein Missionar).
Januar 13th, 2012 at 11:38 am
Linux wird durchaus an Nutzer dazu gewinnen, aber aus einem ganz anderem Grund. Die wirtschaftliche Entwicklung. Es ist in der Anschaffung und im Unterhalt wesentlich kostengünstiger. Die “Lebenszeit” der Hardware ist ungefähr doppelt bis dreifach so lang ohne auf Leistung verzichten zu müssen. Schnöde und einfach, aber so ist das halt.
Januar 13th, 2012 at 2:33 pm
@Hanibal:
Das ist zwar alles richtig, aber nichts neues.
Das ist schon seit > 10 Jahren so.
Und daher kein (neues) Argument.
Gruss,
S.
Januar 13th, 2012 at 4:41 pm
Ich sehe es als Vorteil für Linux, das der PC Markt schrumpft, denn der PC Markt schrumpft eher bei denjenigen die sich eh schon wenig mit System beschäftigen.
Januar 14th, 2012 at 12:00 am
Richtig, Wenn einem die Möglichkeit genommen wird sich Windows als Server zu leisten, nimmt man Linux. Wann immer einem die Vielfalt an Schadware nicht gefällt, nimmt man Linux. Wann immer man sich Retten möchte, nimmt man Linux. Wann immer man unterwegs ist ,nimmt man Linux (Android). Es gibt soviele Einsatzgebiete von Linux im Alltag, das es uns nicht Auffällt. Kassensysteme,Kreditkartenautomaten,Router,Handys,Telefone,…
Januar 14th, 2012 at 2:17 am
“zum einen, weil es im Mediamarkt & co nur Windows Rechner zu kaufen gibt und weil die Microsoft Formate immer noch zu stark dominieren”
Oder weil Linux nicht auf allen Rechnern läuft wie meine beiden Rechner hier.
Januar 14th, 2012 at 6:35 pm
Ein Arbeitskollege hat erst vor ein paar Tagen den sinnreichen Satz gesagt: “Gerade die, die am wenigsten mit einem Rechner machen, wollen Windows. Diejenigen, die damit wirklich arbeiten und sich damit beschäftigen, probieren auch gerne Linux aus.”
Wie wahr. Ein andere Arbeitskollege ist Vorsitzender eines Schwimmklubs. Er hat vor ca. zwei Jahren einfach den Klubrechner auf Ubuntu umgestellt, ein Theme installiert, das wie Windows XP aussieht, Firefox eine IE-Ikone verpasst, und … es dauerte 2 Monate, bis dem ersten Klubmitglied Zweifel kamen, ob das denn Windows XP sei!
@Zanriko: Es ist umgekehrt. Windows läuft nur auf deinen Rechner, weil es vorinstalliert ist. Ich selbst sitze an einem Notebook, wo z.B. der eingebaute DVB-T-Tuner nur mit Linux geht, obwohl der Hersteller damit geworben hat und Windows vorinstalliert war!
Versuche einem Windows von einer Original-DVD zu installieren auf einem X-beliebigen Rechner ohne mitgelieferte Treiber. Versuch es, verplempere Stunden, ärgere dich und scheitere!
Ein kleines Beispiel: Android-Handy, Tethering über USB. Anstecken an Ubuntu 11.10. 5 Sekunden, dann kommt die Meldung: “Wired Connection 2 – verbunden”.
Windows: “Neue HW gefunden” – “Installiere HW” – … “Treiberinstallation: Wollen Sie Treiber suchen” – blablababla – (jetzt sind wir schon bei +2 Minuten) – im Endeffekt: Wenn du nicht zufällig die Treiber-DVD dabei hast, geht gar nichts. Nicht mal normaler Dateizugriff auf die SD-Karte im Handy. (Was bei Ubuntu auch sofort geht, da es ja nur ein USB-Laufwerk ist.)
Januar 14th, 2012 at 6:56 pm
Besonders lustig ist es, wenn man einen Laptop von einer Original Windows 7 CD installiert und es gibt keinen WLAN Treiber und weit und breit kein LAN.
Dann guckt man aber ganz dumm aus der Wäsche.
Januar 14th, 2012 at 9:39 pm
Aber normalerweise kann man auf einem Rechner ein Linux installieren auch wenn Windows vorinstalliert ist. Habe es ja schon mal geschafft…vor 3-4 Jahren.
Januar 16th, 2012 at 7:26 pm
Wieso seht ihr in der Konfigurierbarkeit ein Problem?
Es wird doch niemand gezwungen zu konfigurieren, einzig wichtig sind sinnvolle (hier: für die breite Masse geeignet) Voreinstellungen.
Meiner Beobachtung nach liegt der geringe Marktanteil in ein paar Punkten:
-> Trägheit, niemand hat Lust sich umzugewöhnen, es soll alles bleiben wie es ist.
-> Vorinstalliert, Win ist eben drauf, warum wechseln, wenn man nicht sofort einen Vorteil sieht, und den sieht man nicht, wenn man es nie probiert hat. Probieren heißt übrigens mehr als 2h rumklicken…
-> Kein Bekannter, der dir den Rechner mal schnell richten kann, aber tausende mit (un)gesundem Halbwissen für Win.
Und es gibt sicher noch mehr Mosaikteilchen.
Übrigens ist Android auch konfigurierbar, trotzdem ein großer Erfolg.