Anjuta als IDE für avr-gcc nutzen

Unter Windows gibt es das AVR Studio, Bascom oder teure C Compiler mit IDE. Unter Linux fehlt sowas vollständig. Man muss sich seine Umgebung mit dem avr-gcc selbst einrichten.

Die einen verwenden normale Editoren wie Gedit oder Geany, andere vim oder Emacs oder man greift gleich zu Eclipse. Aber keines davon konnte mich bisher überzeugen. Eclipse ist mir einfach zu aufgeblasen und fett, vim und Emacs nicht mein Ding. Am besten eignet sich für mich immer noch Geany, wobei mich dabei immer stört, dass man eine Source Datei im Root Verzeichnis des Projekts auswählen muss, bevor man make aus Geany heraus aufrufen kann. Das Build System passt sich immer automatisch an die aktuelle Datei an. Es fehlt eine richtige Projektverwaltung.

Deshalb habe ich es mir jetzt mal zur Aufgabe gemacht, eine einfache aber trotzdem halbwegs komfortable IDE für die AVR Entwicklung zu basteln. Am geeignetsten erschien mir Anjuta. Bisher basiert das Projekt auf einem einfachen Makefile Projekt. Das heißt, dass man später neue Source Files immer noch von Hand in das Makefile eintragen muss. Später will ich versuchen, das Ganze mit Automake umzusetzen.

Es ist bereits möglich, einfache Projekte zu erstellen, ohne das Makefile manuell bearbeiten zu müssen. Alle Grundeinstellungen können in einem Wizard vorgenommen werden und das Makefile nutzt die Möglichkeiten von Anjuta. So lässt sich avrdude zum Programmieren des AVR über “Projekt installieren” aufrufen.

Hier noch eine kleine Vorschau des Wizards (Video nur im Blog zu sehen)

 

avr-gcc räumt in Header Dateien auf

Atmel aktualisiert seit geraumer Zeit die Fertigungstechnik, wodurch zum Beispiel aus einem ATmega8 ein ATmega8A wird. Einzige Unterschiede sind geringere Kosten, geringerer Stromverbrauch und, besonders wichtig, der Wegfall von getrennten Versionen für Low Voltage und Standardausführung. Die neuen Typen sind 100% Pin- und Code kompatibel. Sie verwenden auch die selbe Signatur.

Natürlich gibt es für die neuen Typen auch neue Header Dateien (unter Ubuntu zu finden unter /usr/lib/avr/include/avr). Die Dateien für die neuen A Typen wurden aber deutlich aufgeräumt und auch um einige Informationen ergänzt.

In der Datei iom16.h hieß es beispielsweise bei den Interrupts noch

/* External Interrupt Request 0 */
#define INT0_vect			_VECTOR(1)
#define SIG_INTERRUPT0			_VECTOR(1)

In der Datei iom16a.h entfallen die alten Interrupt Bezeichnungen. Dafür wurde eine Definition für die Vektornummer hinzugefügt

#define INT0_vect_num  1
#define INT0_vect      _VECTOR(1)  /* External Interrupt Request 0 */

Damit entfällt schonmal das Rätselraten, welche der Vektoren denn jetzt die richtigen sind. Es gibt aber auch neue Definitionen, beispielsweise für die Sonderfunktionen der IO Ports.

#define RXD_DDR   DDRD
#define RXD_PORT  PORTD
#define RXD_PIN   PIND
#define RXD_BIT   0

#define TXD_DDR   DDRD
#define TXD_PORT  PORTD
#define TXD_PIN   PIND
#define TXD_BIT   1

Das vereinfacht die Konfiguration der Ports.

Wer also ein neues Projekt mit einem ATmega8, ATmega16 oder ATmega32 startet sollte darüber nachdenken, eventuell die Header Files für die jeweiligen A Typen zu verwenden

Speicherfresser Firefox. Ein Mythos

Die Kommentare in meinem letzten Blog Beitrag haben mich dazu veranlasst, einen kleinen Vergleich zum Speicherverbrauch von Firefox 4 und Chromium 12 zu machen (jeweils aktuelle Version aus den Ubuntu Natty Repositories).

Speicherverbrauch von Firefox

Firefox: 9 offene Tabs, schon seit Stunden ununterbrochen in Einsatz, inkl Flash und anderem: 334MiB

Speicherverbrauch von Chromium

Chromium: Frisch installiert, nur 4 offene Tabs: ca 350MiB

Der Speicherverbrauch von Chromium steigt mit jedem neuen Tab erheblich an. Ich habe auch schon früher mal einen Extremtest auf einem alten Laptop mit Pentium 3 und 256MB RAM gemacht. System war Debian mit Lxde. Firefox ließ sich mit 5 Tabs noch brauchbar nutzen. Bei Chromium war ab 2 offenen Tabs Schluss. Der Rechner war nur noch mit Swappen beschäftigt.

Ich habe den Test auf verschiedene Arten gemacht. Unter anderem vor jedem Test einen kompletten Neustart des Systems und Anzeige des Speicherverbrauchs mit unterschiedlichen Tools (zB htop). Das Ergebnis ist immer das selbe.

Von daher ist der Speicherfresser Firefox aus meiner Sicht ein Mythos. Ich konnte zumindest die Behauptungen, Chromium sei genügsamer als Firefox, noch nie bestätigen.

EDIT

Um die Frage aus den Comments nach den Addons zu beantworten hier eine kleine Ergänzung

Die Addons von FirefoxDie wichtigsten Chromium AddonsAußerdem hab ich bei Chromium die Sync Funktion aktiviert, wofür ich bei Firefox Xmarks verwende

Google Chrome demnächst der Ubuntu Default Browser?

Laut einem Artikel auf Slashdot.org plant Mark Shuttleworth, in einer zukünftigen Version von Ubuntu Google Chrome als Default Browser einzusetzen.

Damit würde, wenn es sich wirklich um Chrome und nicht um Chromium handeln sollte, weitere proprietäre Software in Ubuntu einfließen. Ehrlich gesagt für mich nicht nachvollziehbar.

Ich sehe auch keinen wirklich nennenswerten Vorteil von Chrome bzw Chromium. Einziger Vorteil ist die etwas höhere Geschwindigkeit, die aber durch den Speicherhunger von Chrome gerade auf Netbooks oder anderen Rechnern mit 1GiB RAM wieder zunichte gemacht wird. Ich nutze hier gerade Firefox mit 14 offenen Tabs auf einem Netbook und es funktioniert einwandfrei. Mit Chromium ist der Speicher (inzwischen auf 2GiB upgegraded) unter gleichen Bedingungen schon voll.

Canonical baut Cluster Server mit 42 ARM Kernen

Canonical baut an einem Server mit 42 ARM Kernen, basierend auf dem PandaBoard. In dem Server verrichten 21 dieser Boards ihren Dienst. An jedes Board ist eine 300 GB USB Festplatte angeschlossen.

Quelle: geek.com

Programme auf verschiedenen Desktops öffnen mit Unity

Gnome 3 bietet die Möglichkeit, Programme auf einem bestimmten Desktop zu starten, indem man das Icon einfach auf den entsprechenden Desktop zieht.

Unity kann etwas ähnliches. Man zoomt die Desktops mit Super+S heraus und klickt auf den gewünschten Desktop (einmal klicken). Anschließend startet man das Programm aus dem Launcher. Klickt man auf einen weiteren Desktop kann man noch mehr Programme auf anderen Desktops starten.

Ganz zuverlässig scheint es aber noch nicht zu sein. Manchmal funktioniert es nicht richtig.

Oneiric Ocelot schon mit Gnome 3 Unterbau

Aus reiner Neugier habe ich die Alpha 1 von Oneiric Ocelot bereits installiert. Naturgemäß gibt es noch viele Probleme. Etwas verwundert war ich bereits bei der Installation über den blauen Hintergrund.

Nach dem Neustart hat nach einigen Sekunden das Display geflimmert. Wenn ich etwas gemacht habe hat es aufgehört. Ich nahm an, dass es die Funktion war, den Laptop bei Inaktivität in den  Leerlauf Modus zu versetzen. Also wollte ich nach den Einstellungen schauen. Da wurde mir klar, woher der blaue Hintergrund kam: Gnome 3.

Leider sind die Dialoge für die Systemeinstellungen von Gnome 3 noch alles andere als brauchbar. Die Einstellungen für den Power Manager sind noch sehr beschränkt. Gleiches gilt für den Drucker Dialog. Ich habe es zumindest nicht geschafft, meine Netzwerkdrucker einzubinden.

Sollte Gnome hier nicht nachlegen oder Canonical für Unity eigene Systemeinstellungsdialoge programmieren ist mindestens Oneiric für mich gestorben. Wenn ich am Desktop nicht alles einstellen kann, kann aber trotzdem damit arbeiten, ist das bestenfalls lästig. Wenn ich aber noch nichtmal über das Netzwerk drucken kann ist das ein absolutes KO Kriterium.

Deshalb werde ich in den nächsten Monaten neben Ubuntu auch Xubuntu oder Kubuntu im Auge behalten.

Marktanteil von Linux 1%? Glaub ich nicht!

Seit einigen Wochen habe ich in meinem Online Shop Piwik mitlaufen, um etwas mehr über das Userverhalten zu lernen und eventuelle Probleme feststellen zu können. Die Seite ist nicht Linux spezifisch und meine eigenen Besuche werden nicht mitgezählt.

In den vergangenen Wochen habe ich mir die Daten mal in Ruhe angeschaut und ein paar (für mich) überraschende Feststellungen gemacht.

  1. Nicht ganz so überraschend: die Gecko Engine, also Firefox, macht 57% aus. Trident (IE) 26%, Webkit (Safari, Chrome) 13% und Presto (Opera) 4%
  2. Weit mehr überrascht hat mich, dass viele User (40%) noch die guten alten 4:3 Bildschirme haben. Am häufigsten findet man immer noch 1280×1024. 61% der Auflösungen teilen sich 1280×1024 (18%), 1024×768 (12%), 1280×800 (11%) und 1680×1050 (11%). Weitere 10% entfallen auf 1920×1200. Der Anteil an 16:9 Displays hält sich seltsamerweise in Grenzen.
  3. Ebenfalls überrascht hat mich die Vielzahl an Auflösungen. Insgesamt bisher 79 verschiedene, darunter so merkwürdige wie 1120×630 oder 1613×1008 Pixel.
  4. Am meisten überrascht hat mich jedoch die Anzahl an Linux Systemen. Wie zu erwarten dominieren WinXP mit 43% und Win7 mit 30%. Dann folgt aber schon Linux mit 14% vor Vista mit gerade einmal 6%. Mac OS, iOS, Android und ältere Windows Versionen (da ist sogar noch Win98 dabei) sind vernachlässigbar.

Dabei stelle ich mal wieder mir Erschrecken fest, wie viele Daten so ein Browser übermittelt. Natürlich kann ich nicht sagen, ob alle User auch mit echten Informationen unterwegs sind und ich kann auch nur diejenigen erfassen, die Javascript aktiviert haben. Aber ich denke, am Gesamtbild ändert das relativ wenig.

Was eher einen Einfluss auf die Zahlen hat könnten die verkauften Artikel sein. Ich verkaufe elektronische Bauteile und Mikrocontroller. Daher dürfte der überwiegende Anteil der Besucher eher Technik begeistert sein. Aber selbst da glaube ich, dass doch ein Großteil immer noch Windows verwendet, weil die Möglichkeiten in dem Bereich unter Linux doch noch recht eingeschränkt sind. Hätte ich einen Shop mit Baby Kleidung sähe es vermutlich nochmal ganz anders aus ;) . Trotzdem glaube ich auch da nicht an einen Marktanteil von “nur” 1%.

Disclaimer: alle ermittelten Daten dienen ausschließlich zur Verbesserung des Angebotes und werden nicht an Dritte weitergeleitet ;)

Unity Launcher oder Gnome Menü und Taskleiste?

Ich nutze Unity schon eine ganze Weile und habe mich recht schnell an die Bedienung gewöhnt. Eigentlich fiel mir das nicht einmal sonderlich schwer und mit der Zeit habe ich immer neue Tricks und Kniffe gelernt. Darunter fallen auch die Tastenkürzel.

Mein besonderes Augenmerk gilt heute dem Launcher und dem Application Place. Denn hier merkt man am deutlichsten die Tendenz zur Tastaturbedienung, die Unity offensichtlich anstrebt. Es geht los mit dem Programmstart und Programmwechsel über die Tastenkombination Super+Zahl. Programme, deren Icons sich bereits im Launcher befinden, werden gestartet oder erhalten den Fokus. Dabei muss man nicht einmal unbedingt wissen, ob das Programm bereits läuft oder nicht. Sollte das Programm noch nicht laufen dauert der “Fensterwechsel” einfach etwas länger.

Ich habe die ersten sechs Icons auf allen Rechnern gleich belegt. Dadurch kann ich zwischen diesen Programmen blind umschalten. Der Launcher bräuchte dafür noch nicht einmal zu erscheinen. Lediglich für die Programme, die nicht im Launcher angepinnt sind, muss man etwas genauer hinschauen. Aber das sind seltener genutzte Programme, bei denen der zusätzliche Blick nicht ins Gewicht fällt.

Einziger Nachteil, den ich bisher feststellen konnte, ist die Gruppierung bei mehreren Programmfenstern in ein Icon, beispielweise bei dem Platinenlayout Program Eagle. Hier arbeitet man in der Regel immer mit drei offenen Fenstern, die im normalen Gnome Panel einzeln dargestellt würden. Unity gruppiert alle Fenster in ein Icon und um zwischen den Fenstern zu wechseln muss man zuerst das Icon für den Expose Mode und anschließend das Fenster anklicken.

Alternativ dazu könnte man natürlich die Fenster auf verschiedenen Desktops verteilen und mit Strg+Alt+Cursortasten umschalten oder die Tastenkombination Super+w verwenden.

In den vergangenen Tagen habe ich häufiger wieder mit Gnome 2 arbeiten müssen, da mein “Arbeitsrechner” noch nicht aktualisiert ist. Dabei ist mir aufgefallen, wie umständlich und uneffizient das Gnome Menü eigentlich ist. Einen Punkt hatte ich in einem älteren Beitrag schon beschrieben. Das Bewegen der Maus durch ein hierarchisches Menü mit mehreren Ebenen. Mir passiert es leider immer wieder, dass ich vor dem erreichen eines Untermenüs einen anderen Menüpunkt erwische und das Untermenü wieder einklappt bzw das ein anderer Menüpunkt erscheint. Das ist nicht nur beim Gnome Menü so sondern generell bei den üblichen hierarchischen Drop Down Menüs.

Das ist aber nicht alles. Man muss wissen, in welcher Kategorie sich das Programm befindet und man muss wissen, unter welchem Namen das Programm in dem Menü abgelegt ist. Und da gibt es meiner Meinung nach einige Probleme. Nehmen wir Evolution. Eigentlich ein Programm, das ich in der Kategorie Internet erwarten würde. Man findet es jedoch unter Büro. Auch andere Zuordnungen sind nicht immer ganz nachvollziehbar.

Das zweite Problem sind die Programmeinträge ansich. Mal steht da eine Programmbeschreibung, mal der Programmname. Beispielsweise findet man Gedit unter dem Eintrag Texteditor. Sagt man einem unerfahrenen User, er soll mal Gedit starten, sucht er wohl erstmal eine Weile. Andere Programme wie Geany werden dagegen unter ihrem Programmnamen angezeigt.

Hier kommt auch wieder Unity in’s Spiel. Mit Super+a öffnen sich die Anwendungen. Diese sind eingeteilt in “am häufigsten benutzt”, “installiert” und “Anwendungen zum Herunterladen”. Viele kritisieren die Unübersichtlichkeit, die vielen Klicks und die Platzverschwendung der unteren Reihe. Aus Sicht eines Mausschubsers, der seine Maus am liebsten mit beiden Händen schieben würde, ist das durchaus nachvollziehbar. Wer jedoch versucht, die Maßstäbe des alten Gnome Menüs auf Unity anzuwenden, macht etwas falsch.

Unity versucht, die Bedienung zu ändern. Weg von der Maus, hin zur Tastatur. Und genau das ist in meinen Augen gelungen. Sofern ich weiß, womit ich es zu tun habe, bin ich mit Unity schneller am Ziel als mit dem alten Gnome. Ich drücke Super+a und anschließend tasch + Enter, und schon startet der Taschenrechner. Ich muss nicht wissen, unter welchem Programmnamen der Taschenrechner abgelegt ist. Anders herum geht es aber auch. Ich drücke Super+a und ge + Enter und schon startet Gedit, ohne wissen zu müssen, unter welchem Namen der Editor eigentlich abgelegt ist.

Es spielt dabei keine Rolle, in welcher Kategorie das Programm abgelegt ist. Die Filterfunktion ist nur nötig, wenn man sich anders nicht mehr behelfen kann. Auch die angezeigten 5 Icons reichen in den meisten Fällen aus. Es ist also nur selten nötig, den Bereich  aufzuklappen. So reicht es zum Beispiel, wenn ich mail eingebe. Ich bekomme sowohl Evolution als auch Thunderbird angezeigt, egal ob die jetzt unter Büro oder Internet abgelegt sind.

Einem Anfänger könnte man also einfach sagen: “drücke Super+a und gib ein was du suchst”. Sucht er zum Beispiel nach mail findet er ein Mail Programm, sucht er nach video findet er sowohl einen Video Player als auch ein Programm zur Videobearbeitung. Sucht er nach büro findet er LibreOffice usw.

Und hier kommt auch die untere Zeile zum tragen. Findet man ein passendes Programm nicht bekommt man Vorschläge, was man verwenden kann.

Es funktioniert zwar noch nicht perfekt, aber das wird sicher noch besser. Sucht man beispielsweise nach gedit, bekommt man alternativ Leafpad angezeigt. Ich nehme an, weil Gedit in der Beschreibung auftaucht. Sucht man dagegen nach musik, bekommt man Banshee nicht zu Gesicht, obwohl das Wort “Musik” in der Beschreibung steht. Warum das so ist kann ich nicht sagen.

Insgesamt ist das Ganze, entgegen der häufigen Kritik, durchaus durchdacht. Wenn die Kinderkrankheiten kuriert sind kommt man meines Erachtens einfacher und schneller zum gewünschten Programm als mit dem Gnome Menü.

Es wird auch häufig kritisiert, dass Unity die Art und Weise vorschreibt, wie der User den Desktop zu benutzen hat. Das gleiche galt jedoch auch für die erste Version von Gnome 2. Damals bekam man vorgeschrieben, dass Gnome Menü zu verwenden. Alternative Menüs oder Starter wie GnomeDo oder Kupfer sind auch erst im Laufe der Zeit entstanden.

Sowohl Unity als auch die Gnome Shell wollen die Benutzung des Computers ändern. Das Konzept von Gnome 2 lebt in Xfce weiter. Wer also ein hierarchisches Menü vorzieht dürfte mittelfristig mit Xfce besser fahren. Es dürfte dagegen wenig Erfolgversprechend sein, aus Unity eine eierlegende Wollmilchsau zu machen, die die Wünsche aller User erfüllt

Unity oder nicht Unity? Das ist hier die Frage

Es gibt teilweise hitzige Diskussionen über den neuen Desktop von Canonical. Teilweise kochen manche Gemüter über. Manche stellen nach ein paar Tagen oder Wochen fest, dass Unity gar nicht so schlimm ist, wie sie anfangs dachten. Soll man also Unity nutzen oder lieber etwas anderes suchen?

Schauen wir uns zunächst einmal das offensichtliche an. Unity ist neu, Unity ist radikal (aber IMHO lange nicht so radikal wie Gnome 3) und, besonders wichtig, Unity ist noch nicht fertig. Viele der Kritiken werden im Laufe der Zeit vermutlich nach und nach verpuffen, wenn Unity sich weiterentwickelt und der Funktionsumfang zunimmt. Auch Gnome 3.0 ist nicht gerade ein Musterbeispiel für bedingungslose Konfigurierbarkeit und KDE4.0 war nicht nur kaum zu konfigurieren sondern auch extrem instabil. Ich weiß, KDE4.0 war eigentlich eine Entwicklerversion, wurde aber trotzdem auf die User losgelassen.

Mit Unity ändert sich das Bedienkonzept von Ubuntu. Aber nicht grundlegend. Es gibt eigentlich nur drei wesentliche Änderungen.

  1. Starter und Taskleiste werden zusammengelegt und auf die linke Seite gesetzt
  2. Für das suchen und starten von Programmen und Dokumenten gibt es neue Dialoge
  3. Das Anwendungsmenü wandert an den oberen Bildschirmrand

zu 1.) das neue Startmenü ist für viele im ersten Moment ungewohnt, aber man kann sich schnell daran gewöhnen. Wer ein Dock nutzt oder Windows 7 oder OS X kennt wird gar nicht mal so viele Probleme haben. Es hat ein paar Vorteile gegenüber der klassischen Taskleiste, aber auch ein paar Nachteile. Manche sagen, mit den bereits vorhandenen Docks könne man das gleiche erreichen. Ich hab es mal ausprobiert, aber es ist nicht das gleiche. Es wirkt nie wie aus einem Guss und man hat nicht die Möglichkeit, das Menü über die Bildschirmecke zu öffnen, was ich gegenüber dem kompletten Bildschirmrand inzwischen bevorzuge.

zu 2.) auch die neuen Dialoge zum Starten von Programmen und suchen von Dateien sind ungewohnt und haben auch Vor- und Nachteile. Darauf komme ich gleich nochmal zurück.

zu 3.) Das sogenannte Application Menu, oft Global Menu genannt, ergibt vor allem auf kleinen Bildschirmen wie Netbooks einen Sinn. Man gewinnt dadurch wertvollen Platz. Auf einem Desktop ist es Geschmackssache. Wer den sogenannten Sloppy Focus nutzt (Fenster bekommen automatisch den Fokus, sobald der Mauszeiger über dem Fenster ist) hat mit dem Application Menu jedoch ein ernstes Problem. Aus diesem Grund hab ich das Application Menu auf meinem Desktop inzwischen auch deaktiviert.

Punkt 1. und 2. sind Geschmackssache und/oder Gewöhnungssache. Unity gibt es so vor und man muss abwägen, ob man damit mehr Vorteile oder mehr Nachteile hat. Wobei Punkt 1. eigentlich nicht wirklich neu ist. OS X und Windows 7 verwenden etwas ähnliches und Docks wie Docky oder Cairo Dock sind auch vergleichbar. Punkt 3. ist auch nicht neu, allerdings wurde es nur selten verwendet. Davon abgesehen ist es irrelevant, da man es ändern kann. Das einzig neue, was übrig bleibt, ist Punkt 2.

Auf einem Netbook ist Unity bisher alternativlos, um unsere Kanzlerin mal zu zitieren. Kein anderer Desktop schafft den Spagat zwischen Bedienkomfort und Platzgewinn besser. Bei allen Alternativen büßt man Platz ein oder gewisse Bedien- und Anzeigeelemente sind nicht oder nur über Umwege zu erreichen. Selbst auf einem Laptop mit 1366×768 Pixeln würde ich Unity aus diesem Grund vorziehen.

Auf einem Desktop spielt der Platzvorteil eine untergeordnete Rolle. Hier punkten bei mir inzwischen die Tastenkombinationen Super+a und Super+f (Super = Windows Taste). Ich starte Programme, die nicht im Launcher sind, fast ausschließlich über die Tastatur. Die hierarchischen Menüs von Gnome mögen zwar im ersten Moment übersichtlicher sein, aber ich habe bei dieser Art Menü immer wieder ein Problem (auch in allen anderen “Aufklappmenüs”): Wenn ich in ein Untermenü muss passiert es mir immer wieder, dass ich einen benachbarten Menüpunkt erwische, bevor der Mauszeiger das Untermenü erreicht hat. Dadurch verschwindet das Untermenü und ich muss “korrigieren”. So schön das Anwendungsmenü von Gnome 2 ist, aber der Punkt hat mich immer wieder gestört. Das ist aber wie gesagt kein spezielles Problem des Gnome Menüs sondern gilt für alle, die so aufgebaut sind.

Ich finde, Unity ist ein gutes Konzept, aber es hat noch ein paar Ecken und Kanten, an denen man noch feilen könnte. Das wird im Laufe der Zeit aber garantiert passieren. Von daher sollte man sich Kritik in der Form “Unity kann dies nicht und das nicht” lieber sparen. Keine Desktopumgebung hatte in der ersten Version an  allen Parametern Schräubchen, an denen man drehen konnte. Ich erinnere mich noch gut an die mageren Druckdialoge von Gnome 2 in Feisty Fawn. Wirklich wichtige Funktionen wie Duplex Druck gab es schlicht nicht. Von daher hab ich eigentlich kein Verständnis, wenn sich jemand über die fehlende Möglichkeit muckiert, irgend eine Farbe oder Icon Größe zu ändern. Gnome 2 war 2007 schon etwas älter als Unity und da fehlten viel schlimmere Sachen als ein paar Farbrädchen.

Mir ist klar, dass Unity nach wie vor auf Gnome 2 aufbaut, aber Gnome hat Gott sei Dank in vielen Bereichen nachgebessert. Es ist eine Sache, verhältnismäßig unwichtige Einstellungen wie für das Aussehen oder das Verhalten der Oberfläche weg zu lassen, aber es ist etwas völlig anderes, wichtige Funktionen wie den Duplex Druck nicht anzubieten. Ich war damals (zurecht) verärgert über Gnome, weil die einzige Alternative KDE gewesen wäre.

Unity oder nicht Unity? Ich sehe keinen Grund, der gegen Unity spricht, ausgenommen vielleicht Stabilitätsprobleme. Die sind bei mir inzwischen jedoch selten. Auf Intel Hardware geht die Fehlerquote inzwischen gegen null. Eventuell gibt es vereinzelt Probleme mit spezifischen Programme, die nicht zum Grundumfang von Ubuntu gehören und zum Beispiel mit dem Wegfall des Systray schlecht oder gar nicht zu benutzen sind.

Bleibt noch eine Frage: Unity als Standard in Natty? Ich sage ja. Unity ist in den meisten Fällen ausgereift genug für den normalen Einsatz. Außerdem hat Canonical nur so die Möglichkeit, Unity zu verbessern. Canonical brauch die Resonanz der User, sowohl in Fragen der Usability als auch bei der Stabilität auf spezieller Hardware. Canonical hat nicht die Ressourcen von Microsoft, großflächige Tests auf unterschiedlicher Hardware durchzuführen und kann nur Usability Tests mit kleinen Gruppen durchführen. Viele benutzen auch eher unbekanntere Programme, die von Canonical gar nicht alle getestet werden können, die aber unter Unity Probleme verursachen können. Ich erinnere nur an Alt+F2, dessen Fehlen erst durch einen Bug Report aufgefallen ist.

Wäre Unity nicht der Standard Desktop ging der größte Teil dieser “Testkapazität” verloren, da die wenigsten zufällig darüber stolpern würden. Und dafür, dass man ein kostenloses Betriebssystem bekommt, kann man diesen kleinen Beitrag denke ich durchaus leisten. Wer Probleme hat oder Unity parou nicht mag kann, zumindest in Natty, jederzeit zu Gnome wechseln. Viel schlimmer wäre es doch, wenn Unity erst mit dem Ozelot käme und es als Option nur noch Gnome 3 gäbe.

Wirklich unerfahrenen Neueinsteigern ist es denke ich egal. Die hätten auch mit Gnome 2, Gnome 3 oder KDE4 am Anfang ihre liebe Not, alles zu finden, was sie brauchen. Obwohl ich mich als nicht ganz unerfahren betrachte hatte ich mit dem KDE4 Menü am Anfang auch Startschwierigkeiten.