Alle Welt redet von der Cloud. Die einen sind begeistert, die anderen sehen den Weltuntergang. Ich habe mir das Ganze jetzt mal in Ruhe angesehen, genauer gesagt UbuntuOne von Canonical. Ich würde als erstes mal sagen, es ist praktisch.
Aber mal der Reihe nach: was bietet Cloud Computing und im Speziellen UbuntuOne? Unter Cloud Computing versteht man im Allgemeinen das Auslagern von Ressourcen in einen externen Dienst. Angefangen vom einfachen Datenspeicher für Dateien bis hin zu kompletten Applikationen wie Grafikprogrammen und Office Suiten. Das ermöglicht den Zugriff von verschiedenen Computern auf den gleichen Datenbestand.
UbuntuOne dient in erster Linie als Datenspeicher zum Synchronisieren verschiedener Arten von Daten. Als erstes sind hier normale Dateien zu nennen. UbuntuOne bietet einen Online Datenspeicher für normale Dateien. Die Dateien werden dabei nicht ausschließlich in dem Online Datenspeicher gehalten sondern auf die Festplatte des Computers kopiert. Oder anders herum, kopiert man eine Datei in das entsprechende Verzeichnis wird es in den Online Datenspeicher kopiert. Verbindet man mehrere Computer mit dem Online Datenspeicher hat man auf allen Computern die gleichen Dateien zur Verfügung. Um mit den Dateien zu arbeiten ist keine Internet Verbindung notwendig. Ändert man Dateien und verbindet den Computer später mit dem Internet werden die Änderungen automatisch synchronisiert.
Wenn man will kann man einzelne Dateien oder Ordner freigeben und mit anderen teilen. Wenn man keinen Webspace besitzt kann man zum Beispiel Bilder in die Cloud laden und anderen zugänglich machen.
Der Online Datenspeicher dient auch als Speichermedium für den Music Store. Kauft man in dem Store Musik ein wird diese nicht auf den Computer heruntergeladen sondern in den Online Datenspeicher. Diese wird natürlich, wie alle anderen Dateien, auf jeden Rechner kopiert, der mit UbuntuOne verbunden wird. Zusätzlich besteht noch die Möglichkeit, die Musik auf ein Android Handy oder iPhone streamen zu lassen. Hier bleibt die Musik im Online Datenspeicher und wird nicht auf das Handy kopiert.
UbuntuOne bietet aber neben dem reinen Datenspeicher auch eine sogenannte NoSQL Datenbank namens CouchDB in Verbindung mit DesktopCouch. Was bedeutet das? CouchDB ist eine Datenbank zum Speichern von Daten aller Art, egal ob Adressen, DVD Sammlungen oder was einem auch immer einfällt. Diese Datenbank läuft auf den UbuntuOne Servern. Auf dem Computer ist DesktopCouch installiert. Das ist ebenfalls eine CouchDB Datenbank, die die Daten, wenn möglich, mit dem Online Server synchronisiert. Man kann also, ähnlich wie bei den Dateien, ohne Internetverbindung mit den Daten arbeiten und wenn der Computer mit dem Internet verbunden wird werden alle Daten synchronisiert.
UbuntuOne bietet derzeit drei Dienste, die CouchDB nutzen: Notizen in Tomboy, Kontakte in Evolution und Bookmarks in Firefox. Die Programme speichern die Daten in die DesktopCouch und werden anschließend mit dem Online Server synchronisiert. Verbindet man einen anderen Computer mit dem Internet stehen die gleichen Daten auch auf diesem Computer zur Verfügung.
Wie ich eben entdeckt habe macht Gwibber ebenfalls von CouchDB Gebrauch, allerdings funktioniert es hier gerade nicht sondern Gwibber verwendet den SQLite Fallback.
[Update 2] Ich hab erfahren, dass Gwibber CouchDB nicht mehr unterstützt. Wirklich schade, muss ich sagen. [Update 2]
Für wen ist UbuntuOne interessant? Wer nur einen Computer besitzt kann keinen großen Nutzen aus UbuntuOne ziehen. Man kann es als Backup Medium nutzen oder als Webspace, um Dateien für andere Zugänglich zu machen. Besitzt man mehrere Computer und will Daten auf mehreren Rechnern verfügbar haben, ist UbuntuOne in jedem Fall einen Blick wert. Neben dem reinen Austausch von Dateien ist beispielsweise auch die Synchronisation von Notizen interessant.
Was wäre noch denkbar? Im Prinzip alles, was Daten erzeugt, die man auf mehreren Rechnern verfügbar haben will. Neben Kontakten und Notizen wären zum Beispiel noch Aufgaben und ein Kalender interessant. Integriert man alles in Evolution oder in Thunderbird mit Lightning hätte man eine komplette PIM Suite mit der Möglichkeit der Synchronisation.
Denkbar wäre es auch, die Playlisten von Audio Playern in der DesktopCouch zu speichern, um diese nicht auf jedem Computer neu erstellen zu müssen. Oder wie wäre es mit einem RSS Reader? Bei sämtlichen RSS Readern, die ich kenne, habe ich immer das gleiche Problem. Wechsle ich den Rechner bekomme ich alle bereits gelesenen Feeds wieder als ungelesen präsentiert. Derzeit nutze ich den Google Reader, was aber auch nur eine Notlösung ist.
Ich werde wohl auch für einige eigene Projekte Gebrauch von der Datenbank machen. Das würde viele Dinge vereinfachen.
Was sind die Gefahren? Hier scheiden sich die Geister. Die größte Befürchtung ist wohl der Missbrauch der Daten seitens des Dienstanbieters. Wie groß diese Gefahr ist weiß ich nicht. Ich denke, sie ist nicht größer als die Gefahr, dass der Webprovider zum Beispiel auf die Daten eines Online Shops zugreift, der Email Provider die Emails liest oder der Internet Service Provider einfach sämtliche Daten nach verwertbarem durchsucht. Kurz gesagt, alles was den heimischen Computer verlässt unterliegt den gleichen Risiken.
[Update] Die Verbindung zwischen Client und Server ist verschlüsselt. Die Daten liegen unverschlüsselt auf dem Server. Siehe Frage auf askubuntu.com [/Update]
Die zweite Gefahr ist, was mit den Daten passiert, wenn der Provider nicht mehr existiert. Im Fall von UbuntuOne hat man in jedem Fall eine Kopie aller Daten auf dem lokalen Rechner und kann damit weiterarbeiten. Es geht also nichts verloren und es entstehen keine unmittelbaren Ausfallzeiten. Wer auf die Verfügbarkeit angewiesen ist sollte jedoch entweder frühzeitig nach Ausweichmöglichkeiten suchen oder darauf verzichten.
Was passiert, wenn die Internetverbindung längere Zeit ausfällt? Auch hier gilt, alles funktioniert nach wie vor. Nur die Synchronisation zwischen den Rechnern funktioniert nicht. So lange nicht mehrere Personen gleichzeitig an verschiedenen Rechnern arbeiten müssen ist das also noch kein Problem.
Ob man sowas braucht muss jeder für sich entscheiden. Ich finde es in jedem Fall interessant. Vor allem die Datenbank könnte für mich nützlich sein und ich hoffe, dass noch mehr Projekte davon Gebrauch machen.