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Ubuntu Unity bei 1024×600 – diesmal auf einem echten Netbook

Samstag, März 12th, 2011

Im Dezember hatte ich bereits versucht, mir einen Eindruck darüber zu machen, wie gut Unity bei 1024×600 Pixeln wirkt. Da mein 13″ Belinea Notebook leider vorzeitig das Zeitliche gesegnet hat, musste ich mich nach einem Ersatz umschauen. Da ich nicht so viel Geld ausgeben wollte ist es ein Samsung N150-Eliah N450 Plus geworden. Geliefert wurde es mit Windows 7 Starter. Ich habe es mal kurze getestet und es ist… naja, Geschichte. Jedenfalls kann ich jetzt einen realen Test auf einem aktuellen Netbook machen und einen echten Eindruck gewinnen.

Also USB Stick mit dem aktuellen Snapshot von Natty Narwhal bespielt und installiert. Es gibt noch ein paar Problemchen, aber um die soll es hier mal nicht gehen. Das N150 hat eine Netbook typische Ausstattung. 1024×600 Pixel Display, Intel Atom N450 CPU mit 1GB Ram und den NM10 Chipsatz mit GMA3150 Grafikkern.

Die Startzeit beträgt von Grub bis zum Login ca 25 Sekunden, vom Login bis zum Desktop nochmal ca 11 Sekunden. Firefox braucht für den ersten Start knapp 10 Sekunden. Keine Spitzenwerte, aber auch nicht schlecht wenn man bedenkt, um welche Geräteklasse es sich handelt und kein Vergleich zu dem Kaffeepausengenerator, der vorher da drauf war..

Das Web in Unity

Das Web in Unity

Auf dem Netbook kann Unity seine Stärken auch richtig ausspielen. Dieser Screenshot zeigt den Unterschied zwischen einem normalen Gnome Desktop mit Panels (links), dem Gnome Desktop mit versteckten Panels (Mitte) und Unity (rechts). Bei einem normalen Gnome Desktop bleiben für eine Webseite 433 Pixel, in Unity hat man 512 Pixel. Das macht sich schon bemerkbar. Hinzu kommt, dass man immer noch alle wichtigen Elemente im Blickfeld hat, also Uhr, Batteriestatus usw. Das ist bei den verstecken Panels nicht der Fall.

Das Menü von Firefox habe ich mit Absicht anzeigen lassen, um den Effekt des Global Menu zu verdeutlichen. Bei den meisten aktuellen Browsern kann man das Menü zwar ausblenden oder es ist gar nicht mehr vorhanden, aber die meisten anderen Programme haben diese Möglichkeit nicht.

Durch das versteckte Startmenu hat man genug Breite, um die meisten Webseiten ohne horizontales Scrollen darstellen zu können. Bisher habe ich noch keine einzige Seite gehabt, bei der das der Fall war.

Das Bedienkonzept geht größtenteils auf. Lediglich das Aktivieren des Startmenus mit dem Touchpad ist etwas mühsam. Bis man den Mauszeiger in die linke obere Ecke und dann nach unten zur Anwendung befördert hat ist es ein ziemliches Gefummel.Mit einer externen Maus geht das flüssiger.

Umso angenehmer ist jedoch die Nutzung der Tastatur.. Über die <Super> Taste wird das Startmenu angezeigt und mit den Tasten 1 bis 0 lassen sich Anwendungen einfach starten bzw in den Vordergrund holen.

Insgesamt hat man den Eindruck, dass viel Wert auf die Bedienung mit der Tastatur gelegt wurde. Anwendungen lassen sich recht einfach über <Super>+a und die Eingabe des Programmnamens starten, vergleichbar mit GnomeDo. Bereits verwendete Dateien lassen sich auf ähnliche Weise mit <Super>+f öffnen. Aus diesen sogenannten Places heraus ist auch eine Suche im Internet möglich.

Firefox ohne Adressleiste

Firefox ohne Adressleiste

Ich bin sogar noch einen Schritt weiter gegangen und habe beim Firefox sowohl die Adressleiste als auch die Bookmarks ausgeblendet. So bleibt praktisch nur noch die Tableiste übrig. Über <Strg>+L lässt sich ein Eingabefeld aufrufen, in dem man die Adresse eintippen kann. Hier fehlt mir eigentlich nur eine automatische Vervollständigung wie bei Chromium. (Wenn jemand weiß wie das beim Firefox geht wäre ich um einen Hinweis in den Kommentaren dankbar)

Startmenü mit 32 Pixeln

Startmenü mit 32 Pixeln

Der Platz im Startmenu ist relativ schnell voll. Insgesamt passen bei der Standard Breite von 48 Pixeln nur 9 Icons in den Starter, ohne dass Icons eingeklappt werden müssen. Bei der Mindestbreite von 32 Pixeln sind es immerhin 13 Icons.

Die Indicator Menus im oberen Panel machen ebenfalls einen guten Eindruck. Aufgrund der geringen Breite des Bildschirms kann es jedoch passieren, dass besonders lange Menüs im Global Menu unter die Indicator Menus rutschen und nicht mehr benutzt werden können. Bisher ist mir das jedoch nur bei Geany aufgefallen. Bei allen anderen Programmen hat der Platz bisher ausgereicht.

Die Performanceprobleme, die Maverick auf Netbooks hatte, gehören der Vergangenheit an. Unity fühlt sich auf dem Netbook richtig flüssig an. Flash Videos bis 480p laufen flüssig. Höhere Auflösungen konnte ich mangels ausreichender Displayauflösung noch nicht testen. Zeitintensive Aufgaben kann Unity natürlich nicht beschleunigen.

Wie sich Unity auf einem älteren Netbook mit N270 Atom und altem Grafikkern verhält kann ich nicht beurteilen. Auf diesem Gerät sind mir bisher noch keine Probleme hinsichtlich der Performance aufgefallen. Zwischen Unity und dem mitgelieferten Windows 7 Starter liegen Welten. Sowohl was die Reaktionsgeschwindigkeit der Oberfläche angeht als auch die Benutzbarkeit der Programme. Bis unter Windows ein Programm gestartet ist wartet man deutlich länger. Auch den Platz sucht man vergeblich. Selbst wenn man sich mühsam mit versteckter Taskleiste und anderen Workarounds Platz geschaffen hat erzielt man kein vergleichbares Ergebnis.

Ein Problem, an dem auch Unity nichts ändern kann, sind viele, in der Größe fest definierte Dialoge. Diese ragen dann über den Bildschirm hinaus und man muss den Dialog entweder mit gedrückter <Alt> Taste verschieben oder man muss auf den benachbarten Desktop wechseln. Auch Programme wie Thunderbird nehmen mit dem ausladenden Userinterface viel Platz weg. Hier würde man sich für diese Geräteklasse schlankere Oberflächen wünschen.

Zusammengefasst muss ich sagen, dass Unity hier voll überzeugen kann. Es gibt zwar noch einige Mängel, die aber zum großen Teil dem Alpha Status von Natty Narwhal und dem noch sehr jungen Ayatana Projekte zuzuschreiben sind. Auf dem Netbook und auch auf meinem Laptop wird Unity auf jeden Fall seinen Platz finden. Wie es auf dem Desktop aussieht muss sich noch zeigen.

Ubuntu Netbook Edition mit Unity Desktop (Update)

Sonntag, Oktober 24th, 2010

Vor einigen Wochen habe ich mir als Ergänzung zu meinem 15″ Notebook ein Belinea o.book 13011 gekauft. Kein qualitatives Highlight, aber darum soll es hier nicht weiter gehen.

Vielmehr geht es um den neuen Unity Desktop der Ubuntu Netbook Edition. Der Laptop hat ein 13″ Display mit 1280×800 Pixeln Auflösung. Also gerade recht, um Unity mal zu testen. Getestet habe ich mit Ubuntu Maverick Meerkat und der darin enthaltenen Version von Unity.

Der Ubuntu Unity Desktop

Der Desktop

Der Unity Desktop unterscheidet sich deutlich vom normalen Gnome Desktop. Es gibt keine normalen Panels mehr. An dessen Stelle tritt ein Startmenu auf der linken Seite. Dies dient als Starter und Taskleiste gleichermaßen. Das obere Panel enthält nur noch die wichtigsten Grundfunktionen. Zusätzliche Applets lassen sich nicht einfügen.

Die meisten Anwendungen werden maximiert gestartet, wodurch die Höhe des Displays möglichst optimal ausgenutzt wird (“It’s all about vertical Pixels“).

Das obere Panel

Auf der rechten Seite befinden sich die gewohnten Elemente. Diese bestehen jedoch nicht aus einzelnen Applets sondern alle sind zu einem zusammengefasst. An der Funktion hat sich jedoch nichts wesentliches geändert.

Dem oberen Panel kommt auch eine völlig neue Bedeutung zu. Das Anwendungsmenu der aktuellen Anwendung wird, ähnlich wie bei Apples OS X, im oberen Panel dargestellt. Dadurch spart man vertikalen Platz.

Wird ein Fenster maximiert dargestellt werden die Steuerelemente zum Schließen, Minimieren und Maximieren der Fenster oben links neben dem Menu eingeblendet.

Das Anwendungsmenu im oberen Panel

Das Anwendungsmenu im oberen Panel

Was das bringt sieht man am Beispiel von Gedit. Auf einem normalen Gnome Desktop mit zwei Panels lassen sich auf dem Display 35 Zeilen Text darstellen. Auf dem Unity Desktop sind es immerhin 40 Zeilen. Das käme auch beim Surfen im Internet zu gute. Leider macht gerade der Firefox keinen Gebrauch von dieser Möglichkeit, was wohl mit dem eigenen Toolkit zusammenhängt. Andere Browser wie Epiphany machen das besser.

Das Startmenu

Das Startmenu auf der linken Seite erinnert an Docky. Hier kann man Anwendungsstarter ablegen und laufende Anwendungen werden angezeigt. Laufende Anwendungen werden mit einem kleinen Pfeil auf der linken Seite markiert, die gerade aktive Anwendung durch einen Pfeil auf der rechten Seite. Das Startmenu dient sowohl als Anwendungsstarter als auch zum wechseln zwischen den laufenden Anwendungen.

Um eine neue Anwendung in das Startmenu einzufügen muss man diese Anwendung einmal starten. Erscheint das Symbol klickt man mit der rechten Maustaste darauf. In dem aufklappenden Kontextmenu wählt man dann den Punkt Im Startmenu behalten. Auf dem gleichen Weg kann man eine Anwendung auch wieder entfernen.

Wer mit der Tastatur arbeitet hat die Möglichkeit, die Taste Super zu drücken. Auf den Startern erscheinen die Zahlen 0-9. So kann man mit der Tastenkombination Super+Zahl zwischen den Anwendungen umschalten. Leider erreicht man damit nur die ersten 10 Anwendungen. Hat man mehr, muss man die Maus verwenden.

Auswahl zwischen mehreren Instanzen

Auswahl zwischen mehreren Instanzen

Sind von einer Anwendung mehrere Instanzen gestartet hilft ein zweiter Klick auf das Symbol. Die Instanzen werden verkleinert und sortiert auf dem Desktop dargestellt.

Eingeklappte Symbole bei Platzmangel

Eingeklappte Symbole bei Platzmangel

Sollte der Platz im Startmenu einmal nicht ausreichen wird ein Teil der Starter eingeklappt. Fährt man mit der Maus über die Leiste werden alle aufgeklappt und man kann nach oben und unten scrollen.

Die unteren vier Symbole haben spezielle Aufgaben. Umschalten zwischen den Arbeitsflächen, Ordner und Dateien durchsuchen, Anwendungen starten und der Mülleimer.

Arbeitsflächen

Desktop Umschaltung

Ein Klick auf das Symbol Arbeitsflächen zeigt alle vier Desktops gekachelt an. Die Darstellung erinnert an die Gnome Shell und Gnome 3. Tatsächlich verwendet Unity den Fenstermanager Mutter von Gnome 3. Die Zahl der Desktops ist jedoch auf vier festgelegt (ich habe zumindest noch keine Möglichkeit gefunden, das zu ändern). Hier lassen sich die Anwendungen zwischen den Desktops bequem verschieben.

Dateien & Ordner

Dateien & Ordner

Dateien & Ordner

Unity verwendet keinen klassischen Dateibrowser wie Natuilus sondern nutzt hier ebenfalls eine Anwendung von Gnome 3: Zeitgeist. Allerdings mit einer eigenen Oberfläche.

In der ersten Übersicht findet man die zuletzt verwendeten Dateien, die letzten Downloads und die Verzeichnisse, die man als Lesezeichen angelegt hat. Wählt man einen Filter wie Dokumente oder Bilder erhält man eine Übersicht sortiert nach “Diese Woche”, “Letzte Woche” und “Diesen Monat”.

Es gibt jedoch keine Möglichkeit, sich durch das normale Dateisystem zu bewegen. Ebenso ist es nicht möglich, eine Datei mit einer bestimmten Anwendung zu starten. Bei einem Klick auf das Symbol wird immer die Standard Anwendung gestartet. Ein Kontextmenu gibt es hier (noch) nicht.

Auf meinem kleinen Belinea o.book mit seinem 1,3GHz Single Core Celeron ist das Öffnen der Übersicht auch relativ träge. Es dauert einige Sekunden, bis die Anzeige erfolgt. Auch die Navigation innerhalb der Ordner ist recht langsam. Gelegentlich kommt es auch zu längeren “Hängern”. Mein Laptop mit 1,8GHz Dual Core ist hier bedeutend flotter.

Natürlich ist auch Nautilus installiert und man kann ihn nutzen. Dieser muss jedoch über ein Terminal gestartet werden. In der Liste der Anwendungen taucht er nicht auf. Ich habe ihn einmalig über das Terminal gestartet und anschließend habe ich den Starter wie oben beschrieben im Startmenu verankert.

[Update] Es gibt doch eine Möglichkeit, von der normalen Oberfläche aus Nautilus zu starten. Man öffnet die Übersicht Dateien & Ordner. Dort klickt man einen der Ordner an, zum Beispiel Musik. In der folgenden Ansicht findet man in der rechten oberen Ecke ein Ordner Symbol. Ein Klick auf dieses Symbol öffnet Nautilus.

Nautilus öffnen

Nautilus öffnen

Anwendungen

Das Anwendungsmenu

Das Anwendungsmenu

Ein Klick auf Anwendungen im Startmenu öffnet eine Übersicht über alle installierten Anwendungen. Im oberen Teil findet man die am meisten benutzen Anwendungen, darunter alle installierten, alphabetisch sortiert. Auch hier gibt es Filter, um die Anwendungen nach Kategorien zu filtern.

Anwendungsübersicht

Anwendungsübersicht

Klickt man auf das Ubuntu Logo in der oberen linken Ecke erscheint eine Übersicht mit verschiedenen Kategorien. Mit einem Klick auf Internet wird direkt Firefox gestartet. Neue Anwendungen installieren startet den Software Center. Alle übrigen Symbole führen auf die bereits beschriebene Seite mit Anwendungen bzw zu Dateien & Ordner.

Gibt man einen Programmnamen in das Suchfeld ein werden auch Anwendungen angezeigt, die noch nicht installiert sind. Klickt man diese an kann man sie über den Software Center installieren. Allerdings ist diese Funktion auf dem Belinea o.book auch recht träge und noch nicht 100% zuverlässig.

Fazit

Der Unity Desktop bietet ein interessantes Konzept für die Bedienung auf kleinen Bildschirmen. Durch den Verzicht auf die klassischen Panels und die Verlegung des Anwendungsmenu in das obere Panel gewinnt man einiges an vertikalem Platz, der insbesondere auf 16:9 Bildschirmen recht knapp ist, wohingegen man horizontal meist nicht alles sinnvoll nutzen kann. Diese Eigenschaft macht man sich mit dem Startmenu auf der linken Seite zu nutze und nutzt den verfügbaren Platz effizienter aus.

Man merkt jedoch, dass Unity noch nicht fertig ist. Viele Funktionen wirken speziell auf schlecht motorisierten Netbooks noch recht träge und der Desktop stürzt gelegentlich ab, was jedoch durch einen automatischen Neustart des Desktops einigermaßen abgefangen wird. Das Startmenu besitzt nur die nötigen Grundfunktionen. Es gibt noch keine Möglichkeit, Anwendungen direkt einzufügen oder die Symbole zu sortieren. Die Navigation durch das Dateisystem ist nur sehr eingeschränkt möglich.

Unity ist kein vollständiger Ersatz für den klassischen Desktop und ich vermute, dass es auch keiner sein soll. Der Fokus liegt auf mobilen Geräten und dem Einsatz im Internet. Besonders Geräte mit Touchscreen können von der Oberfläche profitieren.

Es gibt auch noch nicht allzu viele Einstellmöglichkeiten. So ist es derzeit noch nicht möglich, das Theme für das obere Panel oder das Startmenu zu ändern. Auch die Tastaturbelegung kann noch nicht geändert werden. So gibt es zum Beispiel die Funktion Alt+F2 (noch) nicht und die Belegung der Super Taste zum Wechseln der Anwendungen per Tastatur lässt sich auch nicht ändern.

Unity ist noch neu und befindet sich in einem frühen Entwicklungsstadium. Man kann es schon benutzen und gerade auf kleinen Geräten macht es auch durchaus schon Spaß. Man sollte sich jedoch überlegen, ob man es bereits produktiv einsetzen will, da es doch noch einige Einschränkungen und Probleme gibt.


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